Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - vierter Teil - I

Buch Die Kunst des Alterns (Foto: Markus Zogg)

Als Grundlage dient das Buch von Otfried Höffe:
«Die hohe Kunst des Alterns: Kleine Philosophie des guten Lebens»
Vorbilder für eine Alterskunst (I): CICERO

Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v. Chr.) war einer der vielseitigsten Köpfe der römischen Antike: Politier, Anwalt, Schriftsteller und Philosoph, der berühmte Redner Roms und Konsul im Jahr 63 v. Chr. Sein umfangreicher Schriftverkehr beeinflussten massgeblich und nachhaltig die europäische Briefkultur.

Der ältere Mensch kann sich gemäss Cicero noch durch alle drei Vorzüge der Reife auszeichnen:
Dignitas (Würde), gravitas (gewichtiger Ernst), auctoritas (respekteinflössendes Ansehen). Cicero empfiehlt, etwas Bleibendes zu schaffen, mit dem man über seine eigene Lebenszeit hinaus weiterlebe.

Cicero nennt vier Vorwürfe an das Alter, die er alle entkräftet oder in produktive Herausforderungen umwandelt:

Vorwurf 1: Aus den bisherigen Ämtern wird man verdrängt, zur Untätigkeit gezwungen.
Herausforderung: Nun soll man sich für das Gemeinwohl (bonum commune) engagieren; Ehrenamt, Bürgergesellschaft.

Vorwurf 2: Die körperlichen Kräfte lassen nach.
Herausforderung: Nicht durch Körperkraft verbringt man grosse Dinge, sondern mittels Fähigkeiten, die im Alter erhalten bleiben, zu denen etwa Erfahrung noch hinzukommt.

Vorwurf 3: Mancherlei Freuden gehen verloren.
Herausforderung: Der Mensch bleibt bis ins hohe Alter lernfähig. Cicero plädiert für ein altersspezifisches Lernen. In der Jugend erwerbe man möglichst ein grosses geistiges Kapital, mit dem man im Alter ökonomisch umgehe. Unwichtiges soll beiseitegelegt werden und Planungen nehme man nicht nur für den Augenblick vor. Die Hauptaufgaben klugen Alterns können in ein vierfaches L zusammengefasst werden in Laufen, Lernen, Lieben, Lachen. Die Älteren haben den Wunsch nach einem selbstbestimmten, von Eigenverantwortung geprägten Leben.

Vorwurf 4: Der Tod kommt näher.
Herausforderung: Wie stellt man sich den Tod vor? Welche Vorstellung davon hat man? Die zwei dominanten Vorstellungen vom Tod zur Zeit von Cicero waren: Der Geist wird ausgelöscht oder lebt an einem anderen Ort weiter. Unter beiden Annahmen sei der Tod nicht zu fürchten, denn entweder sei man nach dem Tod nicht unglücklich oder man leben sogar glückselig.


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oder Sozialdiakon Markus Zogg.
Bereitgestellt: 19.10.2023