Das Nacharbeiten der Geige
Bei der Herstellung einer Geige sind auch die Nacharbeiten von grosser Wichtigkeit. Dort erhält die Geige ihren letzten «Schliff». Auch als Menschen haben wir immer wieder einen «Schliff» nötig. Das kann schmerzen und unangenehm sein.
Gott hat uns nie ein sorg- und schmerzloses Leben versprochen. Haben wir als Gläubige eine Sonderrolle? Sind wir Lieblinge Gottes, nur weil uns die Gnade vergönnt ist, an ihn zu glauben? Es geht um einen Glauben, der offen und ehrlich in die eigene und fremde Welt blickt, um wahrzunehmen, was dem Leben geschieht. Ein Glaube, der nach der Wahrheit Gottes fragt und ihn glühend sucht.
Gott möchte uns inmitten des Leids bewahren und aufrichten. Krisenzeiten haben immer etwas von einer schmerzhaften Offenheit. Da sind die Augen aufgerissen, wir sind verletzbar. Um die Angst zu überwinden, wollen wir Gott und die Welt verstehen. Unsere Verantwortung ist es, am Leben zu bleiben und es zu bestehen. Die Schmerzen sind dadurch nicht genommen und die Fragen nicht beantwortet. Aber die innige Nähe des Geistes Gottes kann uns einen tiefen, sonderbaren Trost geben. In der eigenen Not können wir Vertrauen lernen und lernen, unsere Seele zu führen.
Es kann sein, dass wir uns immer wieder an all die inneren Anklagen und Selbstverfluchungen erinnern, die wir früher über uns ausgesprochen hatten, diese entsetzliche Härte uns selber gegenüber. Das erhobene Damoklesschwert und die Frage, was wohl als nächstes passieren wird, passt zu dem Grundgefühl der inneren Anklage; etwas Bedrohliches und Unerbittliches. Dem gegenüber sagt Jesus in Matthäus 11,28-30: «Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.»
Wenn wir das begreifen, erhalten wir durch den Glauben an seine sanfte und demütige Herrschaft eine «Adelswürde», ein Ritterschlag.
Fragen zur Reflektion:
- Nach welchen Glaubensgrundsätzen lebe ich? Könnte es der Folgende sein: ««Gott ist gut, wenn es mir gut geht. Geht es mir aber schlecht, dann hat Gott mich verlassen oder es gibt ihn womöglich gar nicht.»
- Wie steht es um meine Hingabe zu Gott? Ist sie so gross, dass ich trotz widrigster Umstände meinen Weg zu Gott finde?
- Welche inneren Anklagen und Selbstverfluchungen kenne ich, die wie ein Damoklesschwert über meinem Leben schweben?
Impulse für den Glauben - zweiter Teil - XXII
Die „Impulse für den Glauben“ erscheinen wöchentlich am Donnerstag.
Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.