Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - zweiter Teil - XVI

Als Grundlage dient das Buch von Martin Schleske:
«DER KLANG: Vom unerhörten Sinn des Lebens»
Die Klangfarben

Die 3. Resonanz: ZULASSEN und GESTALTEN

«Zulassen und Gestalten» sind zwei weitere Kräfte, die sich in unserem seelischen Leben entfalten wollen. Unser Leben kann kunstvoll sein, wenn wir die Spannung zwischen diesem Kräftepaar zulassen. Ein Wechselspiel entsteht.
Wenn wir in unserem Leben keine Dinge mehr zulassen, ist alles eine blosse Konstruktion. Überlassen wir alles dem Zufall, ist Willkür vorprogrammiert. Unser Leben ist ein Kunstwerk, das wir mitgestalten können. Ohne Planung können wir keiner Idee folgen. Wir hinterlassen keine Handschrift und zeigen keinen Charakter. Es wäre schade am Lebensende zur Erkenntnis zu kommen: «Ich bin nur passiert, aber ich habe nicht gelebt. Ich bin dem Leben ausgewichen, denn ich habe für nichts gelebt.»
Das Gegenteil ist die «Zwanghaftigkeit», also die andere Absturzseite, wenn wir das Leben als Wanderung auf einem schmalen Grat betrachten. Ein zwanghafter Mensch möchte nur das umsetzen, was er sich in den Kopf gesetzt hat und bemüht sich darum, das eigene Dasein als störungsfreie Konstruktion zu sehen. Ihm fehlt die Wachsamkeit für den Moment und das Bewusstsein dafür, dass gerade eine Störung im Leben sich als gute Führung erweisen kann. Der wirklich kluge Mensch lässt seinem Leben Raum, dass Dinge auch gestört werden und schiefgehen können. Wenn wir keinen Mut für Überraschungen haben, besteht auch kaum die Gefahr etwas falsch zu machen.
In der Bibel finden wir zahlreiche solche Überraschungsgeschichten. Da lassen vier Männer ihren gelähmten Freund mit Seilen vom Dach aus zu Jesu Füssen nieder (Markusevangelium 2,1ff.). Für diese Aktion des Glaubens wurde das Dach des Hauses vorübergehend beschädigt. Jesus liess sich auf diese Situation ein. Sicher war er im ersten Moment überrascht. Aber er liess sich nicht beirren. Um üble Dinge zu überwinden, was eine Lähmung zweifelsohne ist, liess Jesus Störungen und Irritationen zu. Es ist die Vollmacht des Glaubens, der hören und handeln, zulassen und gestalten kann.

Fragen zur Reflektion:
  • Wie habe ich in meinem Leben das Wechselspiel zwischen Zulassen und Gestalten erlebt? Was war meine letzte Erfahrung?
  • Was habe ich mehr gelebt: Zulassen oder Gestalten?
  • Wo habe ich mein Leben aktiv mitgestaltet? Wo ist mit mir nur passiert?

Lasst uns ein betendes und hörendes Herz haben, damit wir mit Gottes Hilfe fähig sind, in den richtigen Momenten unseres Lebens Dinge zuzulassen oder zu handeln.

Impulse für den Glauben - zweiter Teil - XVI

Die „Impulse für den Glauben“ erscheinen wöchentlich am Donnerstag.

Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.

Bereitgestellt: 02.03.2023