Die Krise des Kreuzes Jesu
Jesus wird verhaftet, verhört, gegeisselt, zerbrochen. Das Los um seine Kleider hatten sie gleich zu Beginn geworfen, dann ihm die Hände und Füsse durchbohrt. Es folgte der Spott: «Steig herab vom Kreuz, dann wollen wir glauben!» Dann die Antwort auf den Schrei: «Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: Halt, lass sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme! Aber Jesus schrie laut und verschied.»
Die Krise des Kreuzes hatte bei den Anwesenden zwei Reaktionen ausgelöst. Da ist der Hauptmann, der dabeistand und alles sah. Er kam zum Schluss: «Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen» (Markus 15, 39). Dieser Moment bewirkte Hoffnung in ihm. Ein paar Verse später lesen wir: «Da verliessen ihn alle und flohen» (Markus 15, 50). Und dieser Moment erschlug in den Herzen jede Hoffnung. Die Jünger mussten fliehen, weil ihr Glaube an den Gotthelden zerbrach.
Die Krise und die Offenbarung gehören zusammen. Als Jesus starb, geschahen drei Offenbarungsmomente. Es passierte ein Erdbeben. Am helllichten Tag wurde es dunkel. Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. Das Allerheiligtum war bis dahin dem Priester vorbehalten. Nur er durfte hinter den Vorhang. Dort betete er für stellvertretend für das Volk. Nun, da der Vorhang zerrissen ist, gibt es keine Trennung mehr. Der Zugang ist frei. Jeder Mensch kann mit Gott reden und braucht dazu keinen «Stellvertreter» mehr. Obwohl eine Kirche ein guter Ort ist zum Beten, ist die Gegenwart Gottes dort aber nicht unbedingt intensiver spürbar als Zuhause, im Spital oder Altersheim. Gott möchte überall unter «seinem Volk» wohnen und auch durch die Bibel zu uns Menschen sprechen. Dietrich Bonhoeffer, der mutige Theologe, der sich gegen das Nazi-Regime stellte und deswegen ermordet wurde, pflegte zu seinen Studenten zu sagen: «Wenn du in der Bibel liest, dann denke immer und sage zu dir: Jetzt und hier redet Gott mit mir. Lies die Bibel auf dich hin, Das Wort Gottes zu dir hin.»
Fragen zur Reflektion:
- Welche Erfahrungen mache ich mit Beten? Wo fällt es mir am einfachsten zu beten?
- Was hat den Hauptmann, der bei der Kreuzigung Jesu dabei war, dazu bewogen, Jesus als Sohn Gottes zu bezeugen? (Damit wird er sich im Römischen Reich sicher nicht beliebt gemacht haben…)
- Welche Vorstellungen von Gott oder Jesus hatte ich als Kind? Welche Vorstellungen habe ich heute?
Wenn Sie das nächste Mal die Bibel lesen, versuchen Sie nach dem KlangMotto zu lesen:
«Jetzt und hier redet Gott mit mir» -> Was hat Gott durch die Bibelworte zu mir geredet?
Impulse für den Glauben - zweiter Teil - XII
Die „Impulse für den Glauben“ erscheinen wöchentlich am Donnerstag.
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