Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - zweiter Teil - V

Als Grundlage dient das Buch von Martin Schleske:
«DER KLANG: Vom unerhörten Sinn des Lebens»
Der Lebensboden

Der Boden gibt dem Baumkeimling Festigkeit und Halt. Durch seine winzigen Wurzelhaare kann er so viel Wasser aufnehmen, wie er für Leben und Wachstum braucht. Der Baum sucht das lebendige Wasser nicht in sich selbst! Wir aber meinen, wir könnten den Durst unserer Seele aus uns selbst heraus stillen.
Was dem Baum Halt gibt, ist die Wurzel. Sie steht seit jeher für die Weisheit des Menschen, sich nicht selbst genug zu sein. Wir müssen eine Welt suchen, die uns im Inneren hält. Unser Leben kann nur lebensfähig sein, wenn wir «aus uns herausgehen», das heisst, uns mit anderen Menschen zu verbinden.

Fulbert Steffensky(1) schreibt dazu:
«Wie alt muss man werden, um zu erkennen, dass die Beschäftigung mit sich selbst, die Verwirklichung seiner selbst nichts abwirft, wovon man leben kann? Man müsste eine alte Tugend erlernen: Demut. Sie ist das realistische Eingeständnis, dass wir für uns allein kein spannendes Programm sind (…) Ich brauche kein mich isolierendes Treibhaus zur Findung meiner Wahrheit. Ich brauche Brüder und Schwestern und Väter und Mütter und Lehrer und Lehrerinnen und Bücher und Theorien und Geschichten, mit denen ich aushandle, was die Wahrheit ist und was die Wahrheit verlangt. (…) Erwachsenwerden und Altwerden heisst, sich eingestehen können, dass man selbst und aus sich heraus nicht so viel hat, wovon man sich ernähren kann. Die Hoffnung, die wir aus uns selbst schöpfen, ist zu gering. Der Mut, den wir alleine aufbringen, reicht nicht. Die Träume unseres eigenen Herzens sind zu banal und zu kurzfristig. Wir sind Bettler. Wir können uns nicht alleine ernähren, trösten und ermutigen.»

Jesus Christus spricht in Joh. 14,6: «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.» Das sind mutige und klare Worte, die vielen Leuten Mühe bereiten. Es ist nicht die Rede von einem Weg, einer Wahrheit und einem Leben. Da wird der Anspruch erhoben, dass es nur einen wahren Weg zum Leben gibt.

Fragen zur Reflektion:
  • Worin besteht mein Lebensboden? Aus mir? Aus meinen Mitmenschen und mir?

Aus Gott, meinen Mitmenschen und mir?

  • Wie stehe ich zur Aussage von Jesus in Joh. 14,6?
  • Was gibt mir Halt und Sicherheit im Leben?
  • Welcher Satz von Dr. Fulbert Steffensky spricht mich am meisten an?

(1) Dr. Fulbert Steffensky (* 1933) gilt als einer der bekanntesten theologischen Autoren im deutschsprachigen Raum. Er hat katholische und evangelische Theologie studiert und war für 13 Jahre Benediktinermönch. Im Jahr 1969 heiratete er die feministische deutsche Theologin und Dichterin Dorothee Sölle und konvertierte zum evangelisch-lutherischen Bekenntnis.

Impulse für den Glauben - zweiter Teil - V

Die „Impulse für den Glauben“ erscheinen wöchentlich am Donnerstag.

Wir sind gerne bereit für Seelsorgegespräche. Melden Sie sich bei Pfarrer Alexander Lücke
oder Sozialdiakon Markus Zogg.
Bereitgestellt: 08.12.2022