Markus Rosenfelder

Impulse für den Glauben - XXII

Bild Die Rückkehr des Verlorenen Sohnes (Foto: Markus Zogg)

Die Geschichte des Verlorenen Sohnes ist zu finden im Lukas-Evangelium Kp. 15, 11-32
Nun sind wir am Ende der „Impulse für den Glauben“ zum Buch von Henri Nouwen angelangt. In dieser letzten 22. Ausgabe geht um das Herz Gottes.

Derselbe Gott, der aufgrund seiner unermesslichen Liebe zu seinen Kindern leidet, ist der Gott, reich an Güte und Erbarmen, der seinen Kindern den Reichtum seiner Herrlichkeit offenbaren möchte. Es besteht kein Zweifel, dass der Vater in unserer Geschichte ein verschwenderisches Fest für seinen zurückgekehrten Sohn will. Feiern gehört zum Reich Gottes. Gott bietet nicht nur Vergebung, Versöhnung und Heilung, sondern er will diese Gaben zu einer Quelle der Freude steigern. Gott will seine Freude nicht für sich behalten. Gott freut sich. Nicht, weil die Probleme der Welt gelöst sind; nicht, weil alles menschliche Leiden und Erdulden zu Ende sind. Nein, Gott freut sich, weil eines seiner Kinder, das verloren war, wiedergefunden ist. Normalerweise sind wir nicht gewöhnt, uns über Dinge zu freuen, die klein und verborgen sind und kaum wahrgenommen werden. Henri Nouwen schreibt, dass viele Menschen ihr Leben verbringen ohne ganz sicher zu sein, dass sie geliebt werden, so wie sie sind. Viele berichten über Eltern, die ihnen nicht gaben, was sie brauchten; über Lehrer, die sie schlecht behandelten; über Freunde, die sie verrieten, und über eine Kirche, die sie in einem kritischen Augenblick ihres Lebens in der Kälte stehenliess.
Das Geheimnis der Freude ist, gewiss zu sein, dass man zum Hause Gottes gehört, dessen Liebe stärker ist als der Tod und uns die Kraft gibt, in der Welt zu sein. Von Antonius, dem Wüstenvater, über Franz von Assisi bis zu Frère Roger von Taizé und Mutter Teresa von Kalkutta ist Freude das Merkmal des Volkes Gottes gewesen. Menschen, die Gottes Freude kennengelernt haben, leugnen nicht die Finsternis, aber sie wollen nicht darin leben. In jedem Augenblick des Tages haben wir die Möglichkeit, zwischen Pessimismus und Freude zu wählen. Jeder Gedanke, den ich habe, kann von Pessimismus oder Freude erfüllt sein. Jedes Wort, das ich spreche, kann von Pessimismus oder Freude erfüllt sein.
Im Lukas-Evangelium Kapitel 6 Vers 36 lesen wir: „Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist.“ Dies könnte der radikalste Satz sein, den Jesus je sprach. Wir sind gerufen, einander mit der gleichen selbstlosen, aus sich herausgehenden Liebe zu lieben, die wir in Rembrandts Darstellung vom Vater sehen. Die Barmherzigkeit, mit der wir lieben sollen, kann nicht einen von Konkurrenzdenken geprägten Lebensstil zur Grundlage haben. Es muss diese absolute Barmherzigkeit sein, in der keine Spur von Konkurrenz zu finden ist.
- Kann ich geben, ohne etwas dafür zu erwarten?
- Kann ich lieben, ohne irgendwelche Bedingungen mit meiner Liebe zu verbinden?

Zusammenfassend kann von drei Wegen die Rede sein, die zu einer wahrhaft barmherzigen Vaterschaft führen. Zum einen ist es der Kummer, der uns dazu bringt, die Sünden der Welt, auch meine eigenen mein Herz durchdringen zu lassen. Kummer als einen Weg zur Barmherzigkeit zu betrachten. Zum zweiten ist es die Vergebung, die aus einem Herzen kommt, das rein nichts für sich verlangt und von Selbstsucht restlos leer ist. Dieses „Sich-darüber-Hinwegsetzen“ ist die eigentliche Kunst der Vergebung. Der dritte Weg, wie der Vater zu werden, ist Grossmut. Es ist Weitherzigkeit und Grosszügigkeit. „Sich-selbst-Geben“ ist eine Kunst, die geübt werden muss.

AUSBLICK
Wir unterbrechen die Reihe der „Impulsen für den Glauben“ mit dem Ziel, dass wir die Aussagen aus dem Buch von Henri Nouwen nochmals reflektieren und in unserem Leben einüben können. Gerne würde ich mich mit allen Interessenten nach den Sommerferien am Montag, 11. September 2022 mal treffen, um in einer Gesprächsrunde über die Erkenntnisse auszutauschen. Ebenfalls interessiert mich eure Meinung, ob wir mit den „Impulsen für den Glauben“ weitermachen sollen. Ein nächstes Buch wäre bei mir schon bereit. Gerne stelle ich euch dieses Buch dann am 11. September kurz vor.



Markus Zogg, Sozialdiakon

Impulse für den Glauben - XXII
Bereitgestellt: 11.08.2022