Autor G.S. - Spital Castelrotto und Ferien wie noch nie
Wir waren wieder einmal in unserem geliebten Tessiner Ferienhaus. Die Welt war da so anders, natürlicher, einfacher, ländlicher, weniger hektisch und viel ärmer. Unsere Nachbarin (80jährig) hatte noch kein fliessendes Wasser im Haus, darum rüstete sie so weit als möglich alles draussen am Brunnen. Der Hit war, als sie einmal eine Taube fürs Znacht ausnahm, die ein anderer Nachbar verbotenerweise geschossen hatte. Unsere Kinder schauten fasziniert zu. Sie erzählte ihnen auch von früher, wie sie ihre Zoccoli erst am Anfang des Dorfes anzog am Sonntag zur Messe, um die Schuhe zu schonen. Manchmal hatten nicht alle Geschwister Schuhe, einige mussten also deshalb zu Hause bleiben. Das erste Fleisch hätte sie in der Deutschschweiz gegessen, wo sie, kaum aus der Schule in einer Fabrik arbeiten musste. Solche Geschichten hörten wir viele. Heute kaum mehr vorstellbar.
Eines Tages wollte ich den Papierkorb leeren, in den ich einen Plastiksack gespannt hatte. Es klemmte und ich griff zwischen Papierkorb und Plastiksack. Dann wars passiert. Ich rannte in die Küche über das Waschbecken. Es tropfte und tropfte. Die Kinder wies ich an zur Nachbarin zu laufen, weil ich Hilfe brauche. Sie kam und versuchte das Blut zu stoppen mit all unseren Verbandbinden im Haus. Es tropfte weiter. Zum Glück kam der Nachbar von der Arbeit und ich konnte mit der Hand in einem Plastiksack in sein Auto steigen. Er fuhr mich notfallmässig ins nächste Spital. Dort hat man zuerst geschaut, ob eine Sehne zerschnitten war. Glück gehabt im Unglück. Anschliessend wurde ich operiert. Der Schnitt war bis auf den Knochen. Die Narbe sah man lange Zeit. Soweit so gut, ich soll wieder kommen, um den Verband zu wechseln. Und in 4-5 Wochen um die Nähte zu entfernen. Der Leser mag sich fragen, weshalb ich mich im Papierkorb überhaupt geschnitten hatte? Die Kinder hatten ein Glas zerbrochen, es mir nicht gesagt und die Scherben im Abfall entsorgt. Natürlich weil sie ein schlechtes Gewissen hatten.
Also ich hatte die schönsten, arbeitsfreien Ferien, die man haben kann. Ich dirigierte die Kinder herum, zum Einkaufen, Putzen, Kochen usw. Und ich konnte sogar ins Schwimmbecken in der Badi, mit erhobenem Arm, um abzukühlen zwischendurch.
Auch das Spital war grossartig und die Rechnung mit 2 x Verbandwechsel, Nähte entfernen nach Operation betrug ca. Fr. 120.--!! Was das wohl in der Deutschschweiz gekostet hätte?
Episode 12 - G.S. Spital Castelrotto und Ferien wie noch nie