Alexander Lücke

Frohe Weihnachten

2018-12-24 Christnacht PC250272 (Foto: Markus Rosenfelder)

Wir haben uns aufgemacht,
haben unsere wärmende Stube verlassen,
sind durch die Nacht geeilt, um dabei zu sein,
wenn der Advent vorbei ist und das Fest anfängt.
Hartmut Schuessler,
Das Fest, das still und heimlich beginnt.
Das man leicht verpassen könnte,
wären da nicht Engel,
die uns herbeirufen…

Wir sind wie die Hirten,
lassen für kurze Zeit unsere Arbeit ruhen,
lassen alles andere hinter uns…

Jetzt zählt nur noch dieser Moment,
von dem die Engel singen…


Predigt
«Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.
Wohl dem, der auf ihn trauet!»
hat der Chor vorhin auf Latein gesungen
und wir haben, wenn wir die Worte auch vielleicht nicht verstanden haben,
diese Freude, die sich in der Musik Bahn bricht, gespürt.

Nach Wochen der Vorbereitung – jetzt das Fest.
Nach der Busszeit des Advent – jetzt die Freude, die Emotionen, das Fest.
Kein rauschender Ballabend, sondern singen, beten, loben und essen,
wie vorhin die fast vierzig Menschen nebenan im Kirchgemeindehaus
bei der gemeinsamen Weihnacht – singen, beten, loben und essen.

«Gustate et videte – Schmecket und sehet!»
Eine Einladung zum Geniessen.
Eine Einladung zum Staunen.
Eine Einladung zum Fest.

Der Sohn Gottes kommt in Bethlehem zur Welt.
Im «Haus des Brotes», wie der Ort auf hebräisch heisst,
kommt der zur Welt, der das Brot der Welt ist.
Dessen Worte nahrhafter sind als alle Worte dieser Welt.

«Exsultate Deo adjutori nostri
– Lobt Gott, unseren Helfer!
Jubelt dem Gott Jakobs zu.»

Dabei ist doch Weihnachten in unserer Zeit
ein sehr menschliches Fest geworden
in dem Gott scheinbar keinen Platz mehr hat.

Aber schaut gut hin,
wer im Haus des Brotes zum Fest geladen ist.
Wen die Engel einladen, obwohl kein Raum mehr frei ist.
Wer hält es in dieser unwirtlichen Zeit aus draussen,
ohne Herberge zu sein?

In einer Zeit, in der alle zuhause sein wollen,
rufen Engel Hirten und Hirtinnen zum Kind.
Es ist ein merkwürdiges Geschehen auf freiem Feld.
Die vergangene Sturmnacht hat uns eine Ahnung gegeben,
wie unangenehm Weihnachten in Bethlehem sein kann.
Nichts von Hirtenromantik und weisser Weihnacht.
Stürmisch, nass, kein Schutz nirgends, bis auf die Knochen durchnässt.
Nein einen guten Job haben die Hirten nicht, aber einen wichtigen Beruf,
ohne den es nur für die Wölfe etwas zu fressen gäbe.

Wenn der Hirte nahe ist, dann kommen die Wölfe nicht.
Dann können die Herden in Sicherheit ruhen.
Deshalb rückt unsere Weihnachtsgeschichte Menschen in den Blickpunkt,
die wissen, was es braucht, ein armes, schutzloses Kind zu beschützen.
Weil die Engel sie rufen verlassen sie ihre Herden und hüten das Schwache.

Das Kind braucht sie jetzt nötiger als die Schafe.

Sie sehen nach.
Sie finden es.
Und kehren um,
in Sorge um ihre Herden.

Auch heute noch – im Zeitalter von GPS und Satelitenüberwachung – braucht es sie.
In der Schweiz fehlt es an Hirten und Hirtinnen,
die bereit sind dieses rauhe Leben zu wählen.
Hirtinnen fehlen unseren Kirchen, unseren Familien, unseren Regierungen.

Wenn Regierungen ihre Arbeit einstellen,
die Hirten nur noch sich selber hüten,
dann die Herde schutzlos.
Immer mehr Raum wird den Wölfen überlassen,
Wölfe brauchen keinen Hirten.

Es ist beunruhigend nur falsche Hirten am Werk zu sehen,
davon erzählt auch die Bibel in deutlichen prophetischen Worten.
Und diese klingen irgendwie garnicht veraltet
und halten in uns eine Sehnsucht wach
«behütet zu sein».

Jesus ist es in die Wiege gelegt, Hirte zu sein.
Jesus wird selbst zum guten Hirten werden,
der sein Leben für die Herde gibt.

Wenn alle anderen weglaufen – Jesus bleibt
Er bleibt bis zum Tod am Kreuz und es ist sein Gebet:
«Vater, ich habe keines verloren, das du mir anvertraut hast.»

Keines geht verloren,
auch Ich und Du nicht,
wenn der gute Menschenhirte
nach seinen manchmal verlaufenen Schafen schaut.

In der Kirche in Schwyz hat der Glaskünstler Gian Casty
einen Schafbock auf eine grüne Weide gezeichnet, am frischen Wasser liegend.
Und über ihm ist der gute Hirte, der sein Leben für die Schafe gegeben hat.
Vom Kreuz gezeichnet trägt er die Königskrone und segnet uns.

Auf ihn verweisen die Engel uns,
so wie sie den Hirten den Weg nach Bethlehem wiesen.
Wir folgen, von der Krippe zum Kreuz.
Vom Dunkel der Weihnacht ins Licht der Auferstehung.
Bereitgestellt: 25.12.2018