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LOCATION:Ref. Kirche Brunnen\, Alte Kantonsstrasse 8\, 6440 Brunnen
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DESCRIPTION:(...) und ihr werdet die Wahrheit erkennen\, und die Wahrheit
  wird euch frei machen. Johannes 8\,32\n\nAm letzten Sonntag habe ich zu
  thematisieren versucht\, wie ich geworden bin\, der ich und wie ich in
  meiner Biographie mit dem Wahrheitsanspruch der Bibel gelernt habe
  umzugehen. Ich habe geschildert\, dass die Elijaerzählung ein Märchen
  im besten Sinn sein will und möchte als Verarbeitung von Ängsten und
  Gefühlen verstanden werden.\n\nDas ist natürlich ein subjektiver
  Einblick gewesen\, wie es für mich verständlich ist\, sonst müsste ich
  mein Gottesbild aufgrund eines wortwörtlichen Schriftverständnisses
  revidieren\, ihn für tot oder abwesend erklären. Oder Gott die
  Eigenschaften der Liebe absprechen. Beides aber widerspricht meinem
  Verstand und auch meinen Gefühlen\, darum halte ich am Gott der Liebe
  fest\, fest an einem mich übersteigenden\, personalen Prinzip – klingt
  gar nicht schön – besser einer Sonne der Erkenntnis\, welche mich
  überragt\, mich ins Leben und ins Sterben führt\, mir Hoffnung gibt\,
  genau dort wo kein Ausweg mehr zu sehen ist\, dort wo ausschliesslich
  nach der Nützlichkeit und nicht nach Menschenwürde gefragt wird.\n\nDie
  Frage nach der Wahrheit ist so gross\, dass man daran fast zwangsläufig
  scheitert. Auch heute will ich nochmals um diese Wahrheit ringen. Und die
  Frage stellen\, in welcher Zeit wir leben. Abhängig davon\, wie wir
  diese Frage beantworten\, werden wir auch zu unterschiedlichen Antworten
  kommen. Weil die Zeit in der wir meinen zu sein\, auch die Vorstellung
  der Welt und die Vorstellung von Gott prägt. Ich könnte auch fragen\,
  in welchem Narrativ\, in welcher Geschichte du gerade lebst? In einem
  Märchen mit Gut oder Böse\, in dem am Schluss alles aufgeht und der
  Held gewinnt? Glaubst du an Qannon\, denkst\, dass eine mächtige Elite
  das Blut kleiner Kinder opfert und dir Bill Gates einen Chip implantieren
  will\, um dich zu überwachen? Lebst du im Glauben\, dass du ein Opfer
  bist\, dass du überfordert von dieser Welt wirst. Wo und in welcher Zeit
  lebst du?\n\nHerzlich willkommen zu diesem Gottesdienst. Danke\, dass Sie
  bereit sind zuzuhören. Dass Sie auch mir nicht ganz eine Stunde Zeit
  schenken. Ich mute Ihnen heute einige abstrakte Gedanken zu\, weil sie
  mich bewegen.\nIn diesem Geschehen des Gottesdienstes haben Sie – ohne
  Koketterie – den wichtigeren Dienst – sie haben (so gilt das
  ungeschriebene Gesetz) zuzuhören. Genau darum geht es zu hören\,
  zuzuhören. Und ich hoffe\, dass es dann gelingt in einen Dialog zu
  kommen\, in einen Austausch. Ich würde mich sehr\, sehr freuen! \n
 \nLesung: Der Sturm auf dem See\nMarkus 4\, 35-41\n\n35 Und Jesus sagt zu
  ihnen am Abend dieses Tages: Lasst uns ans andere Ufer fahren. 36 Und sie
  liessen die Leute gehen und nahmen ihn\, wie er war\, im Boot mit; auch
  andere Boote waren bei ihm. 37 Da erhebt sich ein grosser Sturmwind\, und
  die Wellen schlugen ins Boot\, so dass sich das Boot schon füllte. 38 Er
  aber schlief hinten im Boot auf dem Kissen. Und sie wecken ihn und sagen
  zu ihm: Meister\, kümmert es dich nicht\, dass wir untergehen? 39 Da
  stand er auf\, herrschte den Wind an und sprach zum See: Schweig\,
  verstumme! Da legte sich der Wind\, und es trat eine grosse Windstille
  ein. 40 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch
  keinen Glauben? 41 Und sie gerieten in grosse Furcht\, und sie sagten
  zueinander: Wer ist denn dieser\, dem selbst Wind und Wellen gehorchen?\n
 \n\nPredigt\n\nDie heutige Lesung spielt sich in historischen Zeiten ab.
  In der Vormoderne\, einer Zeit in die wir uns fast nicht eindenken- und
  einfühlen können. Wenn ich es dennoch versuche\, dann stelle ich mir
  vor\, dass die Menschen geprägt sind von magischem Denken\, sie glauben
  an übernatürliche Phänomene und an Wunder.\n\nMir ist das fremd\, aber
  trotzdem finde ich den «Sturm auf dem See» eine schöne Geschichte.
  Jesus befiehlt den Elementen. In einer anderen Sturmgeschichte läuft er
  ja sogar über Wasser und Petrus versucht es ihm gleichzutun. Jesus hat
  in all diesen Stürmen eine eindrückliche Autorität. Es ist mir fast
  ein bisschen zu viel. Der ängstliche Jesus im Garten Gehtsemane\, ja er
  ist mir näher\, dort ist er menschlicher.\n\nIst dieser Glaube den Jesus
  da einfordert wirklich so selbstverständlich? Das Schiff geht fast unter
  und der Meister schläft. So kommt es mir auch vor in meinem Glauben- und
  Gebetsleben. Ich bete wie wild\, wenn ich in einen Sturm gerate\, aber
  Gott scheint eingeschlafen zu sein.\n\nDie Geschichte\, das erscheint
  eindeutig\, will deutlich machen\, dass Jesus alles im Griff hat\, dass
  wir ihm in unseren Stürmen vertrauen können und sollen. Ihm gehorchen
  Wind und Wellen! Wovor soll ich Angst haben? Aber ich habe Angst\, es
  erscheint so vieles brüchig. Soll ich mich mit magischem Denken und
  Übersinnlichem beruhigen?\n\nJa\, ich kenne Menschen\, welche das
  tröstet. Ich habe auch zu ihnen gehört. Aber jetzt erlebe ich es
  anders. Mein Verstand kontert\, wenn ich davon ausgehe\, dass Gott alles
  kann\, müsste er doch auch eingreifen. Meine Gefühle sagen\, wenn Gott
  eingreifen könnte\, es aber nicht tut\, dann muss etwas mit seinem
  Einfühlungsvermögen\, seiner in der Bibel allgegenwärtigen Liebe etwas
  nicht stimmen. Beide Gedanken frustrieren mich.\n\nDie ersten Christen
  haben sich durch die Erzählung vielleicht getröstet gefühlt. Sie haben
  aber auch in der Vormoderne\, in der Antike gelebt.  Und ich meine das
  jetzt nicht als Abwertung dieser Menschen.\n\nEs ist eine andere Zeit
  gewesen\, es hat ein anderes Weltbild geherrscht. Aber ich kann meinen
  Verstand\, mein Wissen und meine Erkenntnis nicht kommentarlos an der
  Garderobe abgeben und einfach schlucken\, was in einem kindlichen Glauben
  vielleicht noch funktioniert.\n\nUnd ich kann auch nicht meine Gefühle
  ausser acht lassen\, welche sagen\, wenn Gott nicht hilft\, wenn er
  helfen könnte\, dann ist er kein Gott der Liebe. Aber ich will ja seiner
  Liebe glauben\, hoffen und vertrauen. Und es macht mir ja auch denkerisch
  Sinn\, dass es Gott geben könnte. Ich will glauben und mit meiner
  Gefühlswelt aufgehoben sein. Und so ziehe ich den Schluss\, dass es
  einfach nicht stimmt\, dass wer ihn sucht\, ihn dann auch findet. Ich
  komme an eine Grenze des Erlebens und der Erfahrung mit den Fragen welche
  die heutige Zeit stellt. Ich kann nicht mehr so tun\, als würde ich in
  der Antike oder im Mittelalter leben.\n\nDefinieren wir kurz\, welche
  beiden Zeitepochen und welche Werte uns aktuell prägen.\n\nZuerst zur
  Moderne:\n\nUnter Moderne verstehe ich eine Epoche und ihre Menschen nach
  der Aufklärung\, die gelernt haben selber zu denken. Der Verstand gibt
  mir Erkenntnis und nicht ein diffuses magisches Hoffen.\n\nAber diese
  Idee der Moderne ist dann im 20. Jahrhundert krachend gescheitert. Der
  harte Rationalismus\, die Orientierung am Nutzen und Zweck\, die sich an
  Leistung\, Wirtschaftlichkeit\, Erfolg und Stärke misst\, ist
  erschütternd schlimm gescheitert. Zwei Weltkriege\, der Holocaust\,
  eigentlich auch die Klimakrise\, der Verlust von Biodiversität\, die
  Massenproduktion in Industrie und Landwirtschaft\, die Industrialisierung
  und Rationalisierung\, das alles sind die Konsequenzen einer kalten
  Verstandesorientierung\, die immer nach einem Nutzen fragt\, der sich mit
  Zahlen misst. Wenn ich mich also dem Grundgedanken unterordne\, dass
  alleine der Verstand und die daraus abgeleitete Wahrheit zählen.\n\nAls
  starke Gegenbewegung hat die Postmoderne das Gefühl\, das Erleben ins
  Zentrum gestellt. Der Slogan der Hippies «Sex\, Drugs und Rock’n
  Roll» stehen z.B. dafür. Die Wahrheiten der Moderne\, der kalte
  Rationalismus ist ironisch kritisiert\, «weggelacht» und weggefeiert
  geworden. Post heisst nachher. Postmoderne heisst die Zeit nach der
  Moderne. Sie hat zu einem Relativieren eines absoluten\, totalitären
  Wahrheitsanspruches geführt. Es gibt nicht nur eine Perspektive der
  Wahrheit\, sondern viele Aspekte und Stimmen der Wahrheit. Das führt
  natürlich zwangsläufig zu Unsicherheit. Institutionen wie die Kirche\,
  der Staat und bewährte Traditionen sind gehörig gerüttelt\,
  geschüttelt und dekonstruiert geworden. Die Glaubenssätze der Moderne
  und Vormoderne werden kritisiert\, hinterfragt und abgebaut.\n\nKurz
  zusammengefasst: Die Moderne orientiert sich seit der Aufklärung am
  Verstand und darauf folgt ca. ab den 68-Jahren die gefühlsorientierte
  Postmoderne. \n\nDieser Abbau\, diese Verunsicherung der Werte\,
  Wahrheiten und Institutionen mit ihrem negativen Höhepunkt mit der Wahl
  des US-amerikanischen Präsidenten und seiner Verhöhnung der
  Institutionen führt zu einem Scherbenhaufen. Was gilt noch? Das
  Lebensgefühl ist Verunsicherung. Man spürt\, wir sind am Beginn einer
  Zeitwende oder schon längst mitten drin?\n\nDie Moderne und die
  Postmoderne sind vorbei\, es braucht jetzt eine neue Zeit. Auch in der
  Kirche: Ecclesia semper reformanda\, auch die Kirche muss sich ständig
  erneuern\, haben die Reformatoren und auch Karl Barth gefordert.\n\nWenn
  ich meine Synthese auf die Sturmstillung anwende\, welche Schlüsse kann
  ich dann daraus ziehen\, welche Veränderung darf ich dann zulassen?\n
 \nEs braucht ein Synthese der beiden vorherigen Epochen\, man nimmt das
  Beste und rekonstruiert sein Weltbild neu. Man wertschätzt das
  Vergangene und schneidet ab\, was sich nicht bewährt hat und nicht
  überzeugt.\n\nDas neue ist für mich Ich zu sagen\, aber gleichzeitig
  auch Verantwortung zu übernehmen. Im Sturm braucht es mich als einen\,
  der hinsteht und sagt\, ich lass mich nicht treiben. Ich gebe nicht auf.
  Und bevor der Sturm kommt\, bekenne ich mich ganz bewusst zu
  ausgewählten\, moralischen Prinzipien\, die Werte welche mir dann beim
  Rudern helfen. \n\nDer wichtigste Wert\, durchaus auch biblisch
  abzuleiten\, ist im Dialog zu bleiben\, sich immer wieder einzulassen auf
  Verständigung und die andere\, mir fremde Sicht. Es geht um mich\, aber
  nicht nur um mich\, nicht nur um mein Individuum\, um meine
  Verwirklichung\, sondern genauso stark ums Gemeinwohl\, um eine
  persönliche Betroffenheit\, um Beteiligung. Ich kann in meinem Schiff
  sitzen (mit oder ohne Jesus) und  drauf los jammern wie schlimm meine
  Lage ist\, ich kann auch zu Demonstrationen aufrufen\, mich empören und
  Hilfe von aussen einfordern\, Gesetzesänderungen und beginnen Begriffe
  zu verbieten und die Wahrheit in der politischen Korrektheit suchen\, ich
  kann Moralisieren oder Endzeitfantasien entwickeln und an 
  Verschwörungsmärchen glauben. Nur was bringt dieser Energieaufwand? Ich
  muss selber beginnen\, etwas zu tun\, vorleben\, eingreifen\,
  mitzusteuern versuchen in der Hoffnung\, dass mir Kräfte geschenkt
  werden\, welche ich mir niemals zugetraut hätte. Das ist die neue und
  vielleicht auch alte Glaubensgewissheit\, das ist das neue optimistische
  Vertrauen.\n\nDas wichtigste aber ist\, sich an der Wertschätzung und
  der Würde des Menschen zu orientieren\, welche nicht nur aus Verstand\,
  nicht nur aus Gefühlen besteht\, sondern auch eine Seele und einen
  Körper hat.\n\nVielleicht ist das die Chance der Post-Postmoderne\,
  welche sich an einer neuen Körperlichkeit\, einer Erdung im Hier und
  Jetzt zeigt. Wenn ich Gott glauben will\, dann muss ich meinen Beitrag
  zum Rudern leisten\, gerade wenn es scheint\, dass er schläft\,
  vielleicht sogar komplett «abgesofffen» ist und alles untergehen
  lässt.\n\nDas Neue ist meine Tat\, dass ich meine Ebenbildlichkeit
  Gottes ernst nehme\, welche befähigt zu denken\, zu fühlen und dann
  auch das eigene Handeln nicht zu vergessen. Warum seid ihr so furchtsam?
  Weil wir meinen dem schlimmen Sturm ausgeliefert zu sein\, aber stimmt
  das wirklich? Die christliche Hoffnung ist die\, dass Gott an mich
  glaubt\, ihm dem Wind und Wellen gehorchen. Wind und Wellen auf einem
  Schiff\, die heute anders aussehen\, als zur Zeit Jesu. Amen\n\n
 \nKontakt: Samuel Wagner\n\nWeitere Infos:
  https://www.ref-brunnen-schwyz.ch/veranstaltung/16488
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